| Begleitmaterial für den Unterricht | |||||||
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Szenenfolge und wichtigste Aussagen 1 Der „Rattenfänger“ Herbert verteilt Einladungen zu einer Veranstaltung der „Bewegung der Liebe“. Zu Maria, die er verfolgt und in einer engen Gasse stellt: „Hast du schon einmal nachgedacht, dein Leben zu ändern? Da ist eine Einladung. Du kommst doch bestimmt.“ „Ja, ja.“
2 Maria fährt ins Studentenheim. Ihrer Freundin und Zimmerkollegin erzählt sie vom Nichtantreten zur Prüfung und begründet dies mit mangelndem Wissen. Als Abendgestaltung folgen sie der Einladung zum Vortrag der „Bewegung der Liebe“, obwohl Maria meint: "Was hätten wir schon davon?" - Freundin: „Du mit deiner Kosten-Nutzen-Rechnung.“
3 Bei der Veranstaltung der „Bewegung der Liebe“ spricht der Sektenmanager Mr. Adams auf Englisch, sein Vortrag wird vom Sektenleiter übersetzt. Die „Bewegung der Liebe“ wurde in den 60er Jahren vom englischen Gelehrten Sir Edward gegründet. „Und nur mit Hilfe der „Bewegung“ kann man den Weg zum persönlichen Glück finden.“ Den kostenlosen Persönlichkeitstest machen Maria und ihre Zimmerkollegin nicht mit. Nach dem Aufsperren der verschlossenen Ausgangstür verabschiedet sich Maria mit „Auf Wiedersehen“, ihre Freundin mit „Auf nimmer Wiedersehen“. 4 Im Studentenheim gibt die Freundin zu erkennen, dass sie von der Bewegung nicht viel hält: „Der Weltschmerz berührt mich nicht mehr.“ Maria will am liebsten ihre Sachen packen und abhauen. „Wenn ich nur wüsste, wohin.“ 5 Mr. Adams wirft den Sektenanhängern vor, dass nach dem Vortrag nur eine Anmeldung zum Einführungskurs erfolgt ist. Weiters nennt er das Sammelergebnis einen „Witz“. 6 Maria fährt zu ihrem Freund Peter, „Was haben wir schon gemeinsam?“ „Ziemlich wenig.“ „Das ist unser Problem“. 7 Maria fährt in ihr Elternhaus und schließt sich in ihrem Zimmer ein. Ihr Vater, Direktor, gibt gerade eine Party. Er fragt Peter über Marias Studium aus: „Die Prüfungen hat sie doch alle bestanden, oder?“ 8 Mr. Adams lobt Herbert, der ein neues Mitglied geworben hat. Für ein neues Betätigungsfeld bietet er ihm einen Ausbildungsplatz in London an. Dazu muss Herbert seine Fähigkeiten noch einmal beweisen. Flötenmusik. 9 Herbert lauert Maria vor dem Studentenheim auf. Maria: „Was willst du von mir?“ „Dich. Dein Herz, deine Liebe, dich ganz.“ 10 Die Mitglieder der Bewegung meditieren. Herbert kommt mit Maria. 11 Maria nach dem Besuch der Gruppe: „Ich fühle mich besser.“ Herbert folgt ihr in die Wohnung und stört sie beim Lernen. Er zerbricht einen Bleistift: „Entschuldige.“ - „Dein Studium ist nicht wirklich wichtig, wichtig ist, dein Leben zu verändern.“ Er packt ihre Sachen und überredet sie, mit ihm zu kommen. Beide fahren mit einem Taxi weg. 12 Im Schloss gelingt es Herbert durch seine persönliche Beziehung zu Maria sowie durch den nötigen Nachdruck: „Du willst ja gar nicht zurück, warum solltest du?“ Maria zum Bleiben zu überreden. Liebesszene. 13 Im Schlafzimmer des Schlosses. Herbert zu Maria: „Ich will dir zeigen, wie du glücklich leben kannst, damit dein Leben wieder Sinn bekommt.“ „Mir passt vieles nicht, aber wer bin ich schon?“ - Ein Mitglied der „Bewegung“ ist nicht irgendwer. Du musst zu uns kommen. Ein Leben ohne Probleme, geliebt werden, eine Gemeinschaft.“ „Ich will's versuchen.“ 14 Vor dem Haus der Bewegung steigen viele Anhänger aus dem Bus aus. Herbert zu Maria: „Jetzt gehörst du zu uns.“ 15 Sektenleiter bei der ideologischen Schulung der Anhänger: Politik, Religion und Ideologie haben versagt. Dies führt zum 3. Weltkrieg oder zu einem neuen Menschenbild: 1) Werdet wieder Kinder 2) Schiebt die Last der Vergangenheit zur Seite 3) Hört auf zu denken. 16 Peter und Marias Vater finden in Marias Wohnung die Einladung der „Bewegung der Liebe“ zum Vortrag, den Maria besucht hat. 17 Peter wendet sich an die Presse. Die Journalistin lehnt eine Suchmeldung ab. „Bewegung der Liebe, so ein Schmus!“ Aber ihr Interesse an der Sache ist geweckt. 18 Morgendliche Aufstehzeremonie der „Bewegung“. Gespräch zum Bild des Meisters: „Wir bekennen uns schuldig, zu wenig geleistet zu haben, und versprechen noch größere Anstrengungen.“ 19 Gehirnwäsche in der Gruppe: „Sag uns, wer du bist.“ Musik: tiefe Streicher. „Der Meister wird aus dir einen neuen Menschen machen.“ 20 Herbert verabschiedet sich von Maria, er geht nach Wien. 21 Die Jugendlichen arbeiten in der Kerzenfabrik. Maria merkt, dass es Nada nicht gut geht. 22 Die Abgängigkeitsanzeige in der Zeitung führt zum Taxilenker, der Maria und Herbert zum Schloss gebracht hat. 23 Im Zeitungsarchiv finden die Journalistin und Peter heraus, dass die Kerzenfabrik Novex den Eigentümer gewechselt hat und dass die „Bewegung der Liebe“ ihre Anhänger als Billigarbeitskräfte in Fabriken einsetzt. 24 Wohnzimmer Haus Sekte: Besprechung am Tisch: „Ihr wisst, dass die Sammelergebnisse miserabel waren. Morgen fahren wir wieder in die Stadt.“ 25 Sammelaktion. Auf die Frage, was mit dem Geld geschieht: „Spende fürs Kinderheim“. Journalistin fragt nach Sammelausweis. 26 Vision: „Wenn du jemand auf der Straße triffst, liebe ihn so sehr, dass er dich nie mehr verlassen will.“ Sektenleiter läuft vor 'Original' davon. 27 Maria und Nada sind nicht beim Sammeln eingesetzt. Maria: „Ich bin müde, habe das Gefühl für die Zeit verloren.“ Nada: „Du musst die Erinnerung ablegen. Die draußen verbreiten Lügen über uns. Die Beziehung zum Meister gibt uns Kraft, Krankheiten zu überwinden.“ 28 Peter verfolgt mit der Journalistin den Bus der „Bewegung der Liebe“ und kommt so zum Haus der Bewegung. 29 Peter besucht Maria und will sie zum Verlassen des Hauses überreden. Sektenleiter: „Maria ist frei; sie kann jederzeit gehen, wenn sie will.“ 30 Nada hat wieder einen Anfall und spuckt Blut. „Der Arzt kann mir nicht helfen, ich muss mehr an den Meister glauben.“ 31 Nada wird zu einer Bahnhaltestelle gebracht, setzt sich dort auf die Schienen. Der Sektenleiter verständigt die Rettung. Nada wird von dieser abtransportiert. Musik. 32 Nada im Spital. Sie blickt in die Lampe, sieht im Licht die göttliche Erleuchtung. 33 In der Fußgängerzone ist Herbert wieder aktiv. Maria wendet sich ab. Der "Rattenfänger" teilt weiter Zettel aus. 1. Führerfigur An der Spitze der Organisation steht immer eine fast „göttliche“, unumschränkt autoritäre Führerfigur oder Gründergestalt, die durch Suggestion und psychischen Druck so fasziniert, dass „Ungereimtheiten“ widerspruchslos ertragen werden. Szene 3, 15 2. „Rettendes Programm“ Jede dieser Gruppen bietet das einzige glückbringende Lebensprogramm zur Selbstverwirklichung an; oft mit anlehnenden oder ausgeborgten Elementen aus dem christlichen Bereich. Szene 9, 13, 15 3. Organisation Die Gruppen sind international und streng hierarchisch organisiert. In den Lebensgemeinschaften und bei den Missionstätigkeiten wird eiserne Disziplin gefordert. Szene 5, 8, 23, 19, 27 4. Werbemethoden Sektenangehörige sprechen die Jugendlichen meist in Fußgängerzonen an und verwickeln sie in Gespräche über grundlegende Lebensfragen. Im Anschluss daran werden sie in die Gemeinschaft oder zu einem Persönlichkeitstest eingeladen. Szene 1, 3 5. Gruppeneinfluss und wirtschaftliche Ziele Die selbstsichere Atmosphäre in der Gruppe und das Elitebewusstsein wirken vertrauenserweckend und faszinieren die neuen Mitglieder. Szene 9, 10, 27 Unter dem Deckmantel von Religion und Wissenschaft verbergen sich die wirtschaftlichen Interessen der Gruppe, die teilweise sogar illegal (z.B. durch Schwarzarbeit der Sektenmitglieder) erreicht werden. Szene 23, 18 (zu wenig „geleistet“ - Schuld!) 6. Totales Engagement Von den Mitgliedern der Organisation wird der totale Einsatz (z.8. Mission bis zu l0 Stunden täglich) verlangt. Wer versagt, wird abgeschoben. Szene 5, 21, 27, 30, 31 7. Kritik Es wird keine Kritik an der Gruppe ertragen. Wer damit beginnt, wird psychisch unter Druck gesetzt und als Egoist bezeichnet. Außerdem erzeugt man Schuldgefühle in ihm. Szene 27 Einführung B: Werbemethoden der Jugendreligionen - verteilen Prospekte und Einladungen und werben für einen kostenlosen Persönlichkeitstest Szene 1, 3 - werben auf der Straße mit persönlichen Einladungen zu Kursen. - laden durch Ansprechen auf der Straße ins „Zentrum“ (eine Wohngemeinschaft) ein. Szene 9, 10 - verteilen auf der Straße Broschüren und bitten um eine Spende. Szene 1, 25 (keine aufrichtige Angabe über Zweck der Spende) - verkaufen an Verkehrsknotenpunkten und in Broschüren, Bücher und Platten. Fußgängerzonen Szene 1, 33 - veranstalten Informationsabende. Szene 3 - laden zu den zahlreichen Informationsabenden ein. Szene 1, 3 Einführung C: Verhaltensänderungen durch Mitgliedschaft Das Verhalten in der Gruppe und gegenüber „Fremden“ ist extrem anders. Gründe: o Menschen gegenüber, die Kritik üben oder die Organisation überhaupt ablehnen, wird aus dem Bewusstsein heraus, einer Elitetruppe anzugehören, eine überhebliche Haltung eingenommen. Szene 29 o Führer und Spitze verlangen absoluten Gehorsam und totale Unterordnung. Szene 5, 21 o Die Mitglieder sollen Eigenbesitz ablehnen und eigenen Besitz und Verdienst der Organisation abliefern. Die Organisation lehnt Eigenbesitz nicht ab; die Mitglieder werden aber über den wahren Besitzstand nicht informiert. Letztes Ziel vieler Gruppen ist finanzielle und politische Macht. o Durch diplomatische und geschickte Methoden akzeptieren Mitglieder in der Gruppe totale Unterordnung und hierarchische Strukturen "freiwillig", die sie vorher ablehnten oder wegen derer sie in die Gruppe kamen. Szene 6, 12 o Immer längerer Aufenthalt in den Zentren oder Übersiedlung dorthin bewirkt über längere Zeit hin eine Bewusstseinsveränderung, der sich der junge Mensch nicht entziehen kann. Szene 19, 27 Methoden, um eine Änderung des Verhaltens der Mitglieder zu erreichen: * stundenlanges Studieren der Schriften des Führers * stundenlanges „Missionieren“ * stundenlange Übungen an Instrumenten und Meditationen * „Reinigungspraktiken“ (Knien, Essens- und Schlafentzug) * stundenlanges Betteln auf der Straße * Berieseln mit Sprüchen des Führers und Musik Gefährdete: Gefährdet sind vor allem junge Menschen, die sich einsam fühlen oder durch einen persönlichen Misserfolg über sich selber unsicher geworden sind; Jugendliche, die eine Liebesenttäuschung hinter sich haben, über die Gesellschaft enttäuscht sind und den Sinn ihres Lebens suchen; weiters jene, die Liebe und Geborgenheit suchen, um aus der Realität flüchten zu können, die Angst haben, eigene Verantwortung zu übernehmen und sich daher lieber in der Gruppe verstecken; besonders auch jene, die vaterlos aufgewachsen sind und eine Vaterfigur (Führerfigur) suchen, und jene, die seelisch labil sind und den Schutz einer Gemeinschaft wünschen, in der auch jene Erwachsenen sind, die in der Leitung jeder der genannten Gruppen zu finden sind. Einsatzbericht der 76minütigen Langfassung:
Der RATTENFÄNGER wurde Schülern einer 7. und 11. Schulstufe einer AHS gezeigt und von diesen beurteilt. Die Beurteilungsskala: Der Film hat mir sehr gut, gut wenig, gar nicht gefallen, Der Film wurde von den Schülern folgendermaßen beurteilt: 7. Schulstufe 11 Burschen: 8 sehr gut 3 gut 19 Mädchen: 19 gehr gut 11. Schulstufe 5 Burschen: 1 sehr gut 2 gut 2 wenig gefallen 6 Mädchen: 4 sehr gut 4 gut Schriftlich festgehaltene Gedanken zum Film von Schülern der 7. Schulstufe: Gründe für das Gefallen: Der Filminhalt könnte wahr sein. Der Film ist spannend, weil keine reine Dokumentation. Die Gefährlichkeit der Sekte wird gezeigt - eine Lehre für mich. Die realistische Darstellung der Methoden für die Gewinnung von Mitgliedern. Es wurde gezeigt, wie schnell man mit wenigen Worten einen Menschen verführen kann. Das Thema wurde genau getroffen. Gründe für das Missfallen: Das Happyend am Schluss des Filmes ist unglaubwürdig. Es gibt viele Zufälle, ein Zuviel an heiler Welt. Mündlich geäußerte Gedanken bei der Diskussion: Der Filmtitel ist: gut getroffen, Rattenfänger klingt im vorhinein "schmutzig". Der Einzelfall wurde abgeschlossen, das Problem bleibt bestehen. Die Sekte hätte verboten gehört. Der Problemfilm zwingt einen zum Aufpassen, das Ende ist nicht vorhersehbar. Der Film ist Freunden zu empfehlen; nicht nur für geschlossene Veranstaltungen, auch für das Kino (= wenn es etwas kostet). Zu Herbert: Nicht sympathisch, "kleiner Giftzwerg", gezieltes Vorgehen, wahrscheinlich geschult, fanatisch, egoistisch, offen, wendet direkt und indirekt Gewalt an. Zu Maria: verträumt, sensibel, in schwierigen Situationen ist man leicht manipulierbar. Hätte sie die Bewegung auch verlassen, wenn sie gewusst hätte, dass für Nada in irgendeiner Form gesorgt wird? Einsatzmöglichkeiten: Für Jugendliche ab ca. 14 Jahren geeignet. Einsatz in der Schule ca. ab 2. Semester 8. Schulstufe. Geeignet für: Religion, Psychologie, Politische Bildung, Rechtskunde. Spezielle Vorbereitung für diesen Film: 1. Organisation 2. Verteilen von Beobachtungskriterien bzw. Aufgaben 3. allgemeine Einführung zur Problematik Nachbereitung Diskussion 1. Gesamteindruck 2. Sammeln und Ordnen über Methodik und Verhaltensweisen der Sekten 3. Struktur und Hierarchie. Außerschulischer Einsatz: Elterngruppen (mit Kindern im entsprechenden Alter) Jugendgruppen (eventuell sogar mit Betroffenen) Eine kurze Einführung sowie eine Diskussion sollen vorgesehen werden. Die Gruppe soll nicht groß sein. Der Diskussionsleiter muss sich vorher über die Problematik genau informieren. Für Film und Einleitung und Diskussion sind 2 - 4 Stunden vorzusehen. Diskussionspunkte: o Was will die "Bewegung der Liebe" erreichen? o Maria: Ausgangssituation, Verhältnis zu Eltern, Freund, Freundin, Gruppe o Herbert (Rattenfänger) Welche Tricks wendet er an? Psychologische Vorbildung. o Peter (Freund): Stellung zu Maria, Stellung zur Journalistin o Zur Sekte: Hierarchie, Finanzierung, Methoden der Manipulation (Gehirnwäsche, Gebet, Zettelverteilen), o Rechtliche Probleme Weiterführend: o "Sekte" = "Jugendreligion" o Beispiele für Sekten bzw. Jugendreligionen o Gemeinsame Merkmale (z.B. Internationalität, Nichtgreifbarkeit) o Was spricht mich an? o Wo kann man betreuungsmäßig einhaken? o Ehrlichkeit - Unehrlichkeit - Doppelzüngigkeit Mitleidmasche o Österreichische Situationsanalyse (hohe Dunkelziffer) o Querverbindung: Rauschgift, Prostitution |
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