| Pressestimmen | ||||||||
![]() |
||||||||
|
Ratten-Glück “Damit ich Ihnen nicht vergess´ zu erzählen.“ Und dann folgt Geschichte auf Geschichte. Sich auf das Wesentliche beschränken können, ist eine Kunst, die nicht allen gegeben ist. Möglicherweise auch nicht Michael Gautsch, dessen Film über die Sektenproblematik wirkte, als wäre er aus allen Nähten geplatzt weil die Sendezeit durch die vielen Details einfach zu eng wurde. „Rattenfänger“, wie Gautsch sie zeigte, wirken immer am tiefsten auf junge Menschen, die sich einsam fühlen. Bei einem fehlt die soziale Bindung ans Elternhaus, bei anderen ist eine Liebesbeziehung unbefriedigend. Und alle sehnen sich nach einem Hort der Geborgenheit. Wer würde in einer solchen Lage auch nein sagen, wenn ihm jemand zusäuselt: „Mit unserer Hilfe wirst du bald dein persönliches Glück finden!“ Doch einmal dabei, ist das Abspringen genauso gefahrlos wie von einem Schnellzug oder der Fremdenlegion. Eltern, Freunde werden einzig als Melkkühe für den großen Meister akzeptiert, der die Sonne Englands, der USA oder Koreas auf seine dicken Banknoten scheinen lässt. Manches an Gautschs Rattenfängern mochte laienhaft oder übertrieben (oder beides) wirken doch mit einem traf er voll ins Schwarze: mit der Leichtgläubigkeit derer, die glauben, dass Ausbeutung höheren Idealen dienen kann. LUDWIG FLICH in KURIER, Tageszeitung, Wien, am 31. August 1984 Man „darf“ ein Kind bleiben Wenn die Zeit dafür reif ist, kommen sie wie Camus´ „Pest“- Ratten hervor: die „Rattenfänger“, die wie der einst berüchtigte Flötist von Hameln locken. Sie nützen die Unsicherheit Jugendlicher aus, um sie für ihre Sektenzwecke zu missbrauchen. Auf recht eindringliche Weise wurde in dem Streifen gezeigt, wie man Menschen „anheuern“, wenn nicht „shanghaien“ kann. Lockvögel für die Falle sind Geborgenheit, Liebe und Wärme. Genau das, was manche Jugendliche zu Hause nicht zu finden glauben. Die „Rattenfänger“ wissen um diese Sehnsucht junger Menschen und schlagen Kapital daraus. Würde man das Wort Sucht ausnahmsweise nicht von siech ableiten, sondern von suchen, dann wüsste man vielleicht einen Weg, wie das Sehnen der Menschen, das sie wie Kaninchen vor der Schlange den Sektenwerbern ausliefert, zu verstehen ist: Die Mitglieder sollen Kinder bleiben, keine Entscheidungen treffen, keine Verantwortung übernehmen, müssen also nicht erwachsen werden. Sie vergessen dabei nur, dass Erwachsensein mitunter wunderschön sein kann und das Katz-und-Ratz-Spiel der Sekten ihnen mehr von ihrem Leben nimmt, als jemals zurückgegeben werden kann. LYDIA LASUTSCHENKO in SÜD-OST TAGESPOST, Tageszeitung, am 31. August 1984 |
||||||||
| zurück ... | ||||||||